Am 10. und 11.2.2006 erschienen im Schweizer "Blick" zwei verleumderische Artikel über Corinne Hofmanns Engagement für die Samburus im Norden Kenias. Da sich Frau Hofmann bei deren Veröffentlichung im Ausland befand, schrieb ihr Verleger an den Chefredakteur von "Blick" folgenden offenen Brief:
Sehr geehrter Herr Schepper,
der Beitrag „Schwere Vorwürfe gegen die weisse Massai“ in Ihrer „Blick“-Ausgabe vom 10. Februar hat meine Hoffnung auf eine faire Berichterstattung zu diesem Thema herb enttäuscht.
Im Vorfeld zu dem fraglichen Artikel hatte ich Ihrem Redakteur Herrn Merki eine kurze Mail geschickt, die auch Sie erhielten, in der ich ein Telefongespräch anbot. Leider hat Herr Merki darauf nicht reagiert, sondern die aus meiner Sicht haltlosen Vorwürfe von Frau Leadero aus St. Gallen als Grundlage seines Beitrags für den „Blick“ vorgezogen.
Die Beweggründe (Geltungsbedürfnis? Verärgerung? Neid? Wirkliche Hilfsbereitschaft?) dieser ‚Informantin’ kann ich nur erahnen und beschränke mich deshalb auf die Fakten, die ich in Hinblick auf konkrete Unterstützung der derzeit wirklich Not leidenden Menschen im Norden Kenias kenne.
Corinne Hofmann ist bereits während ihrer Jahre in Barsaloi nicht nur der eigenen afrikanischen Familie, sondern auch vielen Bewohnern des Dorfes hilfreich zur Seite gestanden, bis zum Ruin ihrer Gesundheit und – das mag dramatisch klingen, ist aber dennoch die Wahrheit – bis zur Gefährdung ihres eigenen Lebens.
Viele Bewohner Barsalois erinnern sich daran und haben Frau Hofmann auch deshalb im vergangenen Jahr bei ihrem Besuch in Barsaloi herzlich und mit offenen Armen empfangen.
Bei ihrer ‚Flucht’ aus Kenia hinterließ sie damals einen eingerichteten Souvenir-Shop, Geld, ein Auto (dort ein Vermögen) und kehrte 1988 in die Schweiz zurück. Hier musste sie, bei Null beginnend, für sich und ihre kleine Tochter eine neue Existenz aufbauen. Dennoch unterstützte sie bereits in dieser Zeit, in der sie selber weitgehend mittellos war, ihre afrikanische Familie.
Erst der Erfolg ihrer Bücher aber erlaubte es ihr, wirkungsvoller zu helfen.
Regelmäßig erhält dabei selbstverständlich ihre afrikanische Familie Zuwendungen, und größere Beträge gelangen über den „Eine-Welt-Verein Keniahilfe e.V.“ direkt in den Norden Kenias. Dieser Verein engagiert sich seit fast drei Jahrzehnten im Bereich der Schul- und Berufsausbildung, der medizinischen Versorgung und der Hungerhilfe. Über ihn gelangen die Gelder zu 100% zu den einzelnen Projekten und zu den bedürftigen Menschen.
Dabei sind als Koordinatoren die vor Ort tätigen Missionen (u.a. in Barsaloi und in Sererit) zuverlässige Partner und tägliche Helfer bei der Verbesserung der Lebensbedingungen und Zukunftschancen der Menschen im Samburuland (Wassergewinnung, Schulbauten, Lebensmittelversorgung, Krankentransporte, Arbeitsbeschaffung und Aufklärungsarbeit – insbesondere auch gegen das immer noch praktizierte grausame Ritual der Beschneidung der Frauen).
Diesen täglichen Einsatz mit der Bemerkung Ihrer ‚Informantin’ „... in der Missionsstation wird vor allem gebetet. Materielle Hilfe gibt es kaum. Einmal pro Woche wird eine warme Mahlzeit ausgegeben“ abzutun, ist ignorant, gehässig und dumm.
Derartige Verleumdungen mindern die Spendenbereitschaft vieler Menschen und bewirken genau das Gegenteil von dem, was Ihre ‚Informantin’ als ihr eigenes Ziel vorgibt: nämlich ‚uneigennützig’ zu helfen.
Die seit nunmehr acht Jahren praktizierte Hilfe durch unseren Verlag habe ich Ihnen bereits geschildert. Wir werden diese fortsetzen, und auch die Constantin-Filmgesellschaft, die ihren Film im Samburuland realisierte, hat materielle Hilfe vor Ort geleistet, langfristig angelegte Hilfsprojekte begonnen und für einige junge Menschen Patenschaften übernommen.
All diese wirkungsvollen Bemühungen um das Schicksal der Menschen in und um Barsaloi haben ihren Ausgangspunkt bei Corinne Hofmann, der weissen Massai, und die „Vorwürfe“ Ihrer ‚Informantin’ wirken angesichts dieser vielfältigen und fruchtbaren Bemühungen bösartig, billig und geschmacklos.
So bleibt zum Schluss die offene Frage über Sinn und Zweck des Artikels in Ihrer Zeitung.
Wollten Sie evtl. wirklich einen Anstoß zur Linderung der zur Zeit im Norden Kenias herrschenden Not geben, oder ging es Ihnen vorrangig doch nur um die Demontage einer Frau, die seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten sehr viel helfend und unterstützend für die dortige Region und die in ihr lebenden Menschen getan hat?
Stünde es Ihrer Zeitung und dem großen Ringier-Verlag nicht vielmehr besser an, publizistisch alle Kraft darauf zu verwenden, konkrete Hilfe zu mobilisieren, anstatt Personen und Organisationen, die bereits geholfen haben, helfen und auch weiterhin Hilfe leisten werden, durch Aussagen fragwürdiger „Informanten“ zu diskreditieren?
Ich hoffe auf eine positive Reaktion und Antwort von Ihnen und verbleibe mit freundlichen Grüßen,
Albert Völkmann
Verleger
A1 Verlag GmbH
